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“microMAX“ - Schmelztiegel eines innovativen Verkehrsprojekts

Zukunftsauto

(2015) Frank M. Rinderknecht ist mehr als ein Tüftler. Der Gründer und CEO des Schweizer Innovationsunternehmens „Rinspeed“ hat Visionen. Für Autoliebhaber und regelmäßige Besucher des Genfer Autosalons dürfte er kein Unbekannter sein. Gern stellt er dort ideenreiche Designstudien vor, wie 2008 das „sQuba“ genannte Gefährt, ein tauchfähiges Auto. Vergangenes Jahr präsentierte Rinderknecht den Elektro-Smart „Dock+Go“ mit „Rucksack“, der dem Kleinstwagen eine größere Reichweite und mehr Stauraum spendierte.
In diesem Jahr war es nicht nur eine Studie, die vom 07.-17. März in Genf zu bestaunen war. Das dahintersteckende Konzept könnte den Nahverkehr revolutionieren, wenn es konsequent umgesetzt wird. Und falls es zu einer Serienproduktion des „microMAX“ kommt, was bisher keinesfalls klar ist.

Äußerlichkeiten und Innenleben
Die Form des „microMAX“ wirkt ungewöhnlich, was auf seine Proportionen zurückzuführen ist. Bei gerade einmal für einen Kleinwagen typische 3,60m in der Länge, ist das Gefährt 2,20m hoch und mag im ersten Moment wie ein gestauchter Bus wirken. Gerade diese Höhe aber lässt den „microMAX“ mit beeindruckenden Features im Innenraum punkten.
Neben dem Fahrzeugführer haben drei Fahrgäste in einer halbstehenden, halbsitzenden Position Platz. Für die Sicherheitsanforderungen an diese spezielle Haltung wurde ein eigenes Gurtsystem entwickelt. Die bequemen Stehsitze sind gemütlich für kurze bis mittlere Fahrstrecken in der City. Das Interieur hinter den ringsum verbauten Panoramafenstern vermittelt Loungecharakter. An jedem Platz befindet sich ein Tablet-PC für die Kommunikation per Internet. Angetrieben wird der „microMAX“ ausschließlich durch einen umweltfreundlichen Elektromotor. Zur Sicherheit anderer Verkehrsteilnehmer erzeugt das Aggregat während des Betriebs die Fahrgeräusche eines klassischen Motors.
Für die Annehmlichkeiten der Fahrgäste stehen Kaffeemaschine und gekühlte Getränke zur Verfügung. Der Platz im Inneren bietet Raum für beispielsweise einen Kinderwagen oder große Gepäckstücke.
Personenbeförderung ist nur eine mögliche Option. Der Aufbau des Raumwunders kann so umgestaltet werden, dass er optimal von Beförderungsdienstleistern oder Handwerkern zu nutzen ist.

Die Innovation
Das tatsächlich Bahnbrechende an der Studie ist, dass der „microMAX“ als Teil eines innovativen Gesamtkonzeptes dient, das durch Verschmelzung von individuellem und öffentlichen Nahverkehr, Taxi, Mitfahrgelegenheiten und Carsharing richtungsweisend sein könnte für die künftige Art der urbanen Mobilität. Sämtliche Fahrzeuge und deren Nutzer sind allzeit verbunden durch eine eigens dafür genutzte Daten-Cloud. Die Entwicklung einer Softwarelösung der Firma Harman, die für Smartphones kostenlos zur Verfügung steht, ermöglicht jedem registrierten Nutzer Zugriff auf seine mobilen Möglichkeiten in der Cloud und das in Echtzeit. Über Kartenvorschau und Leitsysteme werden die aktuellen Routen der in Bewegung befindlichen „microMAX“-Fahrzeuge angezeigt. Der User meldet seinen Beförderungswunsch an das System, teilt Uhrzeit sowie Zusteige- und Ausstiegspunkt mit und erhält unmittelbar Auskunft darüber, inwieweit seiner Anfrage entsprochen werden kann. Denkt man diesen Ansatz konsequent und folgerichtig weiter, reduziert sich die innerstädtische Verkehrsbelastung erheblich durch die Optimierung, die mit den Einsparungen erreicht wird. Das derart konzipierte Handling folgt komplett den Erkenntnissen zur Schwarmintelligenz.
Ein weiterer Vorteil ist, dass der Einsatz im privaten Bereich ebenso möglich wird wie im geschäftlichen Handeln.

Bedenken
Die Lösung, die das Konzept „microMAX“ möglich macht, heißt Vernetzung und Cloud Computing. Für einige mag genau das aber auch der Pferdefuß sein. Damit die Schwarmintelligenz genutzt werden kann, ist ein hohes Aufkommen an Daten zu erfassen, zu verarbeiten und zu speichern. Das durch NFC-Technologie (Near Field Communication) realisierte Handling dürfte damit die Aufmerksamkeit der Datenschützer auf sich ziehen.

Ob der „microMAX“ in Serie geht oder nicht, feststeht, dass die Studie interessante Möglichkeiten aufzeigt, in welche Richtung sich allgemeine und spezielle Verkehrskonzepte künftig verlagern könnten. Vielleicht ist es unter der Prämisse „Individualität trifft soziale Vernetzung“ und dem ständig wachsenden innerstädtischen Verkehrsaufkommen sogar bald notwendig, in diese Richtung nicht nur weiter zu denken, sondern zu handeln. Andere Lebensbereiche machen es vor und es funktioniert.